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Status: Wütend.

Ein Mensch tötet sich, weil er keinen Ausweg mehr sieht.

Ein Anderer kommentiert sinngemäß: „Eure psychischen Krankheiten sind doch nur Ausreden um eure Probleme nicht in den Griff kriegen zu müssen.“

Deutschland 2017.

Ich habe auch einen Suizidversuch hinter mir und bin noch da. Ich schließe mal von mir auf Andere: Niemand steht morgens auf und beschließt, sich das Leben zu nehmen, weil’s grade bequemer ist. Dieser Entschluss ist nie bequem. Allein diese Denkweise ist im Wortsinne unmenschlich. Es hätte auch für mich in der Situation vieles gegeben, das im Leben noch hätte Spaß machen können. Ich hatte und habe Hobbys, Interessen, Dinge die noch unternehmen wollte. Wenn man sich zum letzten Schritt entscheidet, dann obwohl es noch Lebenswertes gäbe. Nicht anstelle dessen.

Kein Mensch denkt „Och, das ist mir grade alles zu öde, ich bring mich lieber um, das ist einfacher!“. Menschen sehen sich dazu gezwungen. Und ich wusste genau, was ich aufgeben würde.

Kein Mensch tötet sich aus Faulheit.

Es ist mir nicht nachvollziehbar, was einen Menschen dazu treibt, einen so sensationell dummen Kommentar über das Leid eines anderen zu Verfassen. Nur eins glaube ich draus erkennen zu können: Es gibt Menschen, die nicht ansatzweise wissen, wie gut es ihnen geht. Ich habe andere traumatisierte Menschen kennengelernt, und sie eint, dass sie einander in den allermeisten Fällen eingestehen, dass sie belastet sind, auch wenn man das Trauma nicht selbst nachvollziehen kann.

Ein Mensch, der anderen das Recht auf Leid abspricht, verhält sich nicht nur unmenschlich, er lässt dadurch auch erkennen, dass er nie ernsthaft einer Situation ausgesetzt war, die ihn überfordert hat. So gut haben’s wir eigentlich in Deutschland. Manche sitzen nur auf ihrer Couch und wissen nicht, wie sehr das Leben, das wir hierzulande leben dürfen, bis jetzt die Hand über ihn oder sie gehalten hat.

Liebe Besserwisser: Lernt euer eigenes Leben schätzen, verdammt noch mal, vielleicht begreift ihr dann, wie schwer es jemand anders fällt, Seines wegzuwerfen. Ich wünsch’s euch.

P.S.: Eigentlich wollte ich mit einem besser vorbereiteten Beitrag in den „regulären Blogbetrieb“ hier starten und solche wird es auch geben, aber das hier musste grade raus.

Categories: Selbst erlebt

Zixxel

1 reply

  1. Kenne ich alles auch aus erster Hand. Schön, dass du noch da bist und weiter die Dinge tust, die du gerne machen möchtest. Ich glaube, den Gedanken an Selbstmord wird man nie wieder los, wenn man ihn einmal hatte, aber man kann lernen, den Fokus zu verschieben, um auch wieder leben zu wollen. Bedauerlich, dass das nicht immer oder nicht immer rechtzeitig jedem gelingt.

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